Die kurze "Geschichte" des Taschenfernsehers

Eine Chronologie über die Entwicklung taschengerechter Fernsehgeräte


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 1963: Die Raumfahrt als Motor der Miniaturisierung
 
Titelbild der Ausgabe Mai 1963

Von kleinen Fernsehern, winzigen Kassettenrekordern und sogar von elektronischen Computern in der Größe eines Buches träumt K. C. Kirkbride in der Zeitschrift Mechanix Illustrated im Mai 1963. Der Motor all dieser Überlegungen: Natürlich die Technik der Zukunft, sprich, die Raumfahrt. Das Problem: Die leider arg begrenzte Nutzlast. Damit man nun trotzdem möglichst viel Gelumpe mitnehmen kann, müssen die Sachen halt kleiner (und leichter) werden. Deshalb feilt man bei RCA schon am ersten Taschenfernseher. Leider sind die Details noch streng geheim. Oder frei erfunden.

 
 1964: Vier Zoll von SONY
 
... the smallest TV set in the world

Im Geburtsjahr des Autors dieser Zeilen wirbt SONY in ganzseitigen Anzeigen (dieses Motiv stammt aus dem Life Magazine) für den kleinsten Fernseher der Welt, den SONY Micro TV 4-203 UW. Noch nicht annähernd "taschentauglich", aber dafür käuflich zu erwerben. Das Fernsehbild sei nicht nur besonders scharf, betont die Werbung, es erscheine auch schon ganz kurz nach dem Einschalten. Das ist 1964 wirklich noch nicht selbstverständlich. Die Abmessung des kleinen SONY: 8 cm hoch, 16,5 cm breit und 21,6 cm tief. 32 Transistoren und 17 Dioden sollen dafür sorgen, dass man selbst lange Freude an dem Gerät hat (und nicht der Servicetechniker).

 
 1965: Acht Minifernseher im Test
 
... hier geht's zum Artikel

Minifernseher sind "in"! Im Februar 1965 testet die Fachzeitschrift Popular Science acht Geräte der untersten Gewichtsklasse. Zwar wiegt selbst das leichteste Modell stattliche 2,7 Kilogramm, geht aber als "gut tragbar" durch. In den Geräten werkeln zwischen 24 und 32 Transistoren, die Bilddiagonale liegt zwischen vier und neun Zoll, das entspricht 10 bis 23 cm. Servicefreundlichkeit und Empfangsgüte werden durchweg gelobt, lediglich in Sachen die Stromversorgung ist der Weisheit letzter Schuss offenbar noch nicht gefunden: Oftmals sind Akkus nur rund 50 mal aufladbar, und mit herkömmlichen Trockenbatterien kostet eine Stunde Fernsehen gerne mal 40 cent. Die Kaufpreise der Geräte liegen zwischen 150 und 200 Dollar - soviel kosten auch ausgewachsene Portables. Den vollständigen Artikel gibt's hier als PDF-Datei (2,1 MB).

 
 1966: Prototypen, Flache Träume und Micro-Visionen
 
Motorola TV Prototyp aus dem Jahr 1966

Im Jahr 1966 wagt sich ein offenbar hoch motivierter Entwickler bei Motorola an das Thema Taschenfernseher. Über den Prototyp wird einiges bekannt: 1-1/8 Zoll Bildschirmdiagonale, 29 Transistoren, Betrieb über 4 Batterien, Energieverbrauch 1,5 Watt (davon die Hälfte für die Heizung der Bildröhre). Leider verstirbt der Ingenieur, noch bevor er seinen Arbeitgeber von den Marktchancen seiner Erfindung überzeugen kann. Ein hübsch bebildeter Artikel (500 kB) aus der Tageszeitung The Columbus Dispatch beschreibt die Hintergründe und mögliche Einsatzzwecke des Gerätes. Allerdings nicht, wann er denn endlich verfügbar sein wird, der kleine Motorola.

Einige Jahre später werden auch die deutschen Zeitschriftenleser eingeweiht - die Funk-Technik berichtet.

 
Ausschnitt aus dem Titelfoto von "Popular Mechanics", Februar 1966

In ihrer Februarausgabe 1966 berichtet die Zeitschrift Popular Mechanics vom Durchbruch in Sachen Flachbildschirm: Nicht nur in Farbe soll er sein, sondern sogar von beiden Seiten einsehbar! Zu verdanken haben wir diese Bildröhren der Intertel Corporation in Los Angeles. Der Popular Mechanics Redakteur Larry Steckler hat sie wirklich gesehen, so schreibt er, in Farbe und Schwarzweiß, mit jeweils 6 Zoll (15 cm) Diagonale. Das bunte Bild wird übrigens durch die Mischung von nur zwei Grundfarben erzeugt: rot-orange und blau-grün. Bald schon wird es die ersten tragbaren Fernsehgeräte mit dieser Technologie geben, zu Preisen zwischen 150 und 200 Dollar. Den vollständigen Artikel gibt's schon jetzt als PDF-Datei (1,2 MB).

 
Sinclair Microvision 1966

Eine unscheinbare Zeitungsannonce unbekannter Herkunft berichtet über den Sinclair Microvision Pocket TV Receiver, das Highlight der Radio and TV Exhibition 1966. Die Abmessungen des recht kantigen Prototyps: Gerade einmal 10 * 6,5 * 5 cm. Das Gerät soll schon im folgenden Jahr erhältlich sein.

 
 1968: Die Japaner kommen ...
 
SONY Prototyp (1968)

SONY, einer der ganz großen im Geschäft mit der Unterhaltungselektronik, zeigt auf der Hannovermesse 1968 ein Mini-Fernsehgerät mit einer 1-Zoll Bildröhre. So wie aussieht, schafft es das Gerät leider nicht bis in die Serienfertigung. Die Abbildung entstammt einem Artikel der Zeitschrift Funkschau.

 
Matsushita Prototyp (1968)

Der Matsushita-Konzern, hierzulande besser bekannt mit seiner Marke Panasonic, zeigt im Sommer 1968 die ersten Muster des Minifernsehers National TIC-300. Das Gerät misst 82 * 44 * 137 mm und wiegt ohne Batterien rund 600 Gramm. Leider ist es aufgrund technischer Einschränkungen vorerst nur in Japan sinnvoll einsetzbar. Weitere Details verrät uns die Funkschau.

 
 1970: National Panasonic macht den Anfang
 
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Der National Panasonic TR-001 ist der erste, in Serie produzierte "Mini-Fernseher", rund 35 mm beträgt die sichtbare Bilddiagonale. Das Gewicht liegt (inklusive Akkupack) bei rund 890 Gramm. Vermutlich ist dem TR-001 kein sonderlich großer Erfolg beschieden, denn Panasonic wird erst rund zehn Jahre später wieder in die Produktion tragbarer Kleinstfernseher einsteigen. Für den europäischen Markt wird der TR-001EU ins Rennen geschickt, die wenigen erhaltenen Exemplare gelten als echte Rarität.

 
 1977: Sir Clive Sinclair's Einstieg / Der Blick in die Zukunft 
 
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"In wenigen Jahren werden Taschenfernseher ebenso allgegenwärtig sein, wie Transistorradios und Taschenrechner". Ohne den Erfinder, Unternehmer und Visionär Sir Clive Sinclair hätte es vermutlich nie einen Mini-Fernseher aus europäischer Produktion gegeben. Die erste käufliche Frucht seiner langjährigen Bemühungen ist der Sinclair MTV1, ein ziemlich teurer Multinorm-Fernseher mit konventioneller Bildröhre (von AEG-Telefunken) für den "Prestigemarkt". Kostenpunkt: 200 Pfund bzw. 400 US-Dollar. Hören Sie den Erfinder persönlich über sein Meisterstück plaudern.

 

 
Quelle: Funkschau 1977

Ob eine konventionelle Bildröhre langfristig das richtige für Taschenfernseher ist? Zur Internationalen Funkausstellung 1977 in Berlin präsentiert Hitachi erstmals den Liquid Crystal TV, ein noch ziemlich unförmiges Labormuster eines Fernsehers mit Flüssigkristall-Bildschirm (Quelle: Funkschau).

 


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Update: 24.11.2006

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